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Und hier ist er, DER Konzertbericht zum Konzert der Mary Onettes im Kamp,Bielefeld. Verfasst von Andreas Penkert.
Pleasure Songs – Made in Sweden The Mary Onettes @ Kamp Unter Tage / Bielefeld Dass die geographische Zone zwischen Malmö und Kiruna ein Gütesiegel für exzellente Popmusik ist, dürfte sich mittlerweile in der Welt herum gesprochen haben. Die Schaffenskraft für exporttaugliche Melodien von langer Haltbarkeit und musikalischer Intelligenz scheint den Schweden irgendwie in den Genen zu liegen. Cardigans, Mando Diao, Anna Ternheim, Shout Out Louds, Moneybrother, The Hives – sie alle haben in den vergangenen Jahren die internationalen Hitlisten und Konzertbühnen gestürmt. Genregrenzen überschreitend. Höchstes Lob aus den Kritikerfedern der einschlägigen Musikgazetten war ihnen dabei fast immer sicher. Es sei denn, sie werden ganz einfach vergessen. So, oder ähnlich wird es The Mary Onettes ergangen sein. Zu Unrecht. The Mary Onettes aus Jonköping haben für ihren 2007 veröffentlichten ersten Longplayer bisher allenfalls Randnotizen geerntet. Ein sträfliches Versäumnis ! Unter den diesjährigen Neuerscheinungen im indielastigen Gitarrenpop-Cosmos darf ihr Debüt schon jetzt ohne Übertreibung zu den Meilensteinen gezählt werden. Ganz subjektiv gesehen, natürlich. Erschienen auf dem schwedischen Indielabel „Labrador Records“, katapultierte es schon unmittelbar nach dem ersten Durchlauf ganz nach oben in der Album-Jahres-Top Ten. Meiner ganz persönlichen, versteht sich. The Mary Onettes, das sind wunderbare Songs voller Melancholie, die dann aber doch soviel Optimismus verströmen. Ihre musikalische Prägung ordnen die Bandmitglieder von TMO einhellig den 80ern zu.  Aus seiner Verehrung für Joy Division macht Sänger Philipp Ekström kein Geheimnis. Warum auch ? Deren inspirierende Elemente sind aus meiner Sicht deutlich heraus zu hören und aller Ehren wert. Unweigerlich denke ich beim Hören auch nicht selten an die ebenso großartigen Chameleons. Um das musikalische Einfluss-Dreieck schließlich zu komplettieren: stellenweise erinnert es mich sogar ein wenig an A-ha (eine sehr gute Freundin und bekennende A-ha–Ultra bestreitet diesen Vergleich allerdings hartnäckig). Keinesfalls darf jedoch der Eindruck entstehen, TMO würden das schon eh vielfach Dagewesene ein weiteres Mal aufwärmen. Die Vorreiter sind unverkennbar, doch handelt es sich um modernste Popmusik im Trend des Jahres 2007. Von echten Newcomern kann man im Falle der Mary Onettes sicher nicht wirklich sprechen. Gegründet haben sie sich bereits in 2000, und bis es zur ersten EP-Veröffentlichung auf „Labrador“ kam, musste die Band einige Täler durchlaufen, die unter anderem in einem geplatzten Plattenvertrag endeten.
Umso mehr ein großes Glück, dass TMO dank „Labrador“ ihren Weg weiter gegangen sind und im Oktober auf zweiwöchige Clubtour nach Deutschland kamen, wo sie am 27.10. Station im Bielefelder „Kamp“ machten. Grund genug, die Strecke von Hamburg in die alte Heimat zurück zu legen, um mich selbst von ihren Live-Qualitäten zu überzeugen. Dieses gleich vorweg genommen: überzeugt haben sie mich bis ins musikalische Mark ! (Was nach einem völlig vergurkten Fußballnachmittag mit dem desaströsen Last-Second-1:1 gegen Tabellenschlusslicht Cottbus einen mehr als tröstlichen Charakter hatte)  Im „Kamp Unter Tage“, einer Art „Partykeller“ in den Niederungen des gleichnamigen Jugendzentrums im Bielefelder Osten, durften die Skandinavier dann ihre Kunst vorführen. Das erste Verbalurteil von TMO-Sänger Philipp Ekström über unsere geliebte Teutostadt fiel sehr kurz und direkt aus: „Ghost Town“ .... (Wie auch immer man es deuten möchte: dieser Kommentar war ihm entfahren, als der Tourbus bei einbrechender Dunkelheit den Kesselbrink überquerte...) So wenig The Mary Onettes aus bereits genannten Gründen hierzulande bisher bekannt sind, so schwierig war es auch einzuschätzen, welche Besucherresonanz es wohl geben würde. Sämtliche Orakeleien zu diesem Thema sollten sich wenig später aber als absolut überflüssig entpuppen: das Kamp Unter Tage füllte sich bis auf den letzten Platz ! Die Mund-zu-Mund-Empfehlungs-Promotion hatte bestens funktioniert– und lockte ein buntes, heterogenes Publikum an den Niedermühlenkamp. (Alt)Eingesessene frühere PC69-Freitagsgänger wurden ebenso gesichtet wie mindestens ein kulturinteressiertes (Lehrer?)Ehepaar im besten Alter sowie allerlei Repräsentantinnen und Repräsentanten des Spektrums dazwischen.  Grosse Freude kam auf, als Philipp Ekström, Simon Fransson, Petter Agurén und Henrik Ekström gegen 22.00 h die kleine Bühne Unter Tage betraten. „Zarte Hymnen von Traurigkeit und Selbstbewusstsein“ zitiert das Tourplakat. Nichts trifft es besser als das. „Under The Guillotine“ machte den Anfang, und das erwartungsfrohe Publikum kam umgehend in Stimmung. Zurückhaltend, fast schüchtern die Bühnenpräsenz der Schweden, dabei aber voller Hingabe und Konzentration auf das wirklich Essentielle: die professionelle Darbietung ihres musikalischen Repertoires. Dieses Handwerk beherrschen die Mary Onettes in beeindruckender Perfektion. Der kleine Raum, und mit ihm das Publikum, schwingte mit der Musik. Es war ein wohliges Schwingen zwischen den Stimmungspolen. Die Skandinavier spielten sich kontinuierlich durch die Songs ihres Albums, dazu die B-Seite „R.U.N“ sowie das 2006er EP-Debut „Make me last“. Bemerkenswert, wie es TMO und ihr Team schafften, diesem beengten Gewölbe einen schier fließenden, unglaublich harmonischen Sound einzuhauchen. Die Instrumente perfekt aufeinander abgestimmt, Rückkoppelungen oder Übersteuerungen absolute Fehlanzeige. So machen Konzerte ohne Oropax Spaß !  Mehr denn je ist den Mary Onettes nach diesem Album und ihren ganz hervorragenden Live-Qualitäten der große Erfolg aus tiefstem Herzen zu gönnen. Und nicht nur ihnen, sondern vor allem auch uns Hörern: wir wollen mehr davon ! Pleasure Songs - für mich sind es Songs, die aus der Seele kommen, die das Herz berühren. Den grandiosen Schlusspunkt des Auftritts setzte an diesem Abend „The Companion“ – mein persönliches Lieblingsstück des Albums. Besser geht’s doch nicht. Danke, TMO, für einen unvergessenen Abend @ Kamp Unter Tage und auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen in „Ghost Town“.... Andreas Penkert, Hamburg
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