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Pelle Carlberg "The Lilac Time" (Labrador Rec.)
Geschrieben von Martin Anders   
Montag, 20. Oktober 2008

Das milde Entsetzen, wenn Internet-Tests das eigene geistige Alter auf 51,3 Jahre festsetzen, der rasende Wut hervorrufende Ärger mit Billig-Airlines oder unangenehme Erinnerungen an Begegnungen mit schwedischen Mofa-Gangs im Jahre 1983- das sind nur einige der Sujets, von denen Pelle Carlberg auf seinem dritten Album seit der Stilllegung seiner ehemaligen Band Edson erzählt.

Wie schon auf seinen Vorgänger-Alben wird dem Zuhörer dabei die Entscheidung zwischen Lachen und Weinen schwer gemacht, denn Carlbergs besondere Qualität liegt in seinen melancholisch-humorigen Texten, die auf beinahe jedem Stück einen unwiderstehlichen, charmanten Wortwitz entfalten. Geradezu begeisternd menschlich geraten dem Schweden seine lyrischen Schnappschüsse- und pendeln dabei meist zwischen Mitgefühl, tiefer Abneigung und Trotz gegenüber den Kuriositäten des Lebens und seinen Leidensgenossen.

Foto:Labrador Records


Carlberg kleidet diese unverwechselbaren, schlauen und selbstironischen Verse erneut in Pop-Songwriter-Arrangements, die ebenfalls unaufdringlich, aber um so reizender daherkommen. So entstehen folkloristische,eingängig aufgehübschte Ohrwürmer wie beispielsweise die Vorab-Single „1983 (Pelle & Sebastian)“ oder „Animal Lovers“. Dieser Mann muss einfach ein Leben lang die Melodieverliebtheit der Beatles, von Simon & Garfunkel oder auch der Band, von der er den gleichnamigen Albumtitel geborgt hat, aufgesogen und in seine eigenen Songs injiziert haben- vom erwähnten geradezu morrisseyesken Humor ganz abgesehen.

Wenn dann noch die wunderbare Karolina Komstedt von den Labelkollegen Club 8 beim musikalischen Schul-Nachtreffen „Nicknames“ ihre Stimme zum Duett erhebt, ist man endgültig verzückt ob so viel Augenzwinkerns, Verve, eleganten Understatements und vor allem ob soviel echten POP!-Gefühls!
Bleibt wie so oft die Frage, warum um alles in der Welt ein gewitzter Pop-Kunsthandwerker wie Herr Carlberg demnächst im Asta-Wohnzimmer Lüneburg auftritt, während eine gruselige Ikone der Einfamilienhaushölle wie James Blunt oder die Mini-Boygroup-verkleidet-als-Songwriter Paolo Nutini sich vor medialem und sonstigem Zuspruch kaum retten können. Aber Pelle ist wohl einfach: zu gut.

Foto:Labrador Records
 

 
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