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The Legends / Over And Over: What a beautiful noise..
Geschrieben von Martin Anders   
Sonntag, 21. Juni 2009
c=labrador records

November 1985: Mitten in den was Popkultur betrifft vielgescholtenen 80er Jahren veröffentlichen The Jesus And Mary Chain ihr Debütalbum „Psychocandy“- und schenken der Welt damit einen epochalen Klassiker des Noise-Pop. Und zwar mit der Betonung sowohl auf „Noise“ als auch auf“ Pop“! Die kreischenden Feedback-Orgien des zweiten Velvet Underground-Albums trafen auf zuckersüße Phil-Spector-Melodien und obercoolen Gesang der stets sonnenbebrillten, mürrisch dreinblickenden Reid-Brüder aus Glasgow. Nebenbei bemerkt haute dabei der heutige Primal-Scream-Sänger Bobby Gillespie auf die rudimentäre Pauke.

Was das alles mit dem neuen Legends-Release zu tun hat? Auf „Over and Over“ kehren The Legends alias Labrador-Labelchef Johan Angergard nach Ausflügen in New-Order-artige Beat-Landschaften zur reduzierten Anfangsästhetik des Debüts „Up Against The Legends“ zurück- nur eben konsequent zur JAMC-Vorlage zuende gedacht. Und zwar teilweise bis hin zu Drum-Intros, die man auch auf dem Debüt des schottischen Brüderpaars vorfindet. Was auch anderen Bands wie den Raveonettes, Glasvegas oder den Magnetic Fields vorschwebt, nämlich die „Psychocandy“-Elemente ins Jahr 2009 zu transportieren, betreibt Johan Angergard dabei in einigen Stücken wie z.B. „Recife“ oder „Over and Over“ in konsequenter Perfektion: es sägt und fräst das weiße Rauschen der Gitarren so sehr, dass der ein oder andere Indie-Ballermann-Hörer sich fragen mag, ob dort nicht ein Speichermedium defekt sein könnte. Ins Formatradio kommt man so sicher nicht, obwohl ganz wie seine Vorbilder auch Angergard diese Feedbackschicht über herrliche, himmlische, reine Pop-Melodien legt- ein Bruch, der schon vor 24 Jahren den Reiz von The Jesus And Mary Chain ausgemacht hatte. Gäbe es die Vokabel „Noise Pop“ nicht schon, man müsste sie für diese auf ganz besondere Art erbauliche Musik erfinden.

c=labrador records


Die Vorab-Single „Seconds Away“ gab schon einen kurzen, schmerzhaft-schönen Vorgeschmack auf das was da kommen sollte. Allerdings, nicht jeder Song strapaziert den Gehörgang so lustvoll wie diese Mischung aus Zuckerwatte und anschließendem Zahnarzt-Bohrer. Einige Songs (“You Won”, “Mondays To Saturdays”) kommen auch ohne Feedback-Lasur aus. Dort wird melancholische Zartheit und angenehm verhallter Gesang zelebriert („Heartbeats“), was dem Album insgesamt einen ausbalancierten Gesamteindruck verleiht und es auch im alltäglichen „Normalzustand“ konsumierbar macht. Das I-Tüpfelchen setzt die Mitwirkung von Angergards „Club 8“-Mitstreiterin Karolina Komstedt, die etwa „Always The Same“ zusätzlich zur Krach/Pop-Dualität einen spannenden Duettcharakter verleiht.

Also Pop-, Krach- und Krachpop-Freunde aufgemerkt: Hier gibt es eine genussvolle, melancholisch-schöne und möglicherweise leicht peinigende Sonderbehandlung vom Feinsten. Bitte bohren, Herr Doktor...dabei kann man so schön schwelgen und träumen..!
c=labrador records
 
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