 Jan Weiler liest im Kamp Im Kamp, dort, wo wir sonst Musikern lauschen oder das Tanzbein schwingen, kamen wir gestern in den Genuss einer Lesung.
Und zwar von Jan Weiler, der unter Anderem das Buch "Maria, ihm schmeckt's nicht", sowie den Nachfolger "Antonio im Wunderland" geschrieben hat. Er schreibt aber nicht nur wundervolle Geschichten, sondern kann auch wunderbar vorlesen. Und weil er das auch vor Publikum macht, gibt es noch ein drittes tolles Buch von ihm: "In meinem kleinen Land". Mit genau diesem Werk ist er zur Zeit wieder auf Lesereise und besuchte gestern Abend das Kamp in Bielefeld Jan Weiler betritt das Kamp, verschenkt als erstes Chips und Schokolade an das Publikum, womit er natürlich eine Menge Sympathie-Punkte sammelt. Den ganzen Abend über scherzt er eine Menge herum, erzählt nebenbei ein paar Anekdoten und erfreut uns mit seinen Geschichten - hauptsächlich aus "In meinem kleinen Land" und seiner Stern-Kolummne, aber auch aus "Maria, ihm schmeckt's nicht" - die zeigen, dass Jan Weiler seine Umwelt sehr genau beobachtet, und das Erlebte und Gesehene mit manchmal leicht sarkastischer Feder niederschreibt. Und dann liebenswert mit verschiedenen Dialekten vorliest. Italienisch, ostwestfälisch, rheinländisch, sächsisch...alles Akzente, die er beherrscht und einsetzt. Und wer weiß, was er noch alles kann.
Nachdem er uns Geschichten über Dresden, Kassel und noch Kleinstädten aus Thüringen vorgelesen hat, näherte er sich geografisch Bielefeld. Paderborn, Werther...Bielefeld. Man muss schon über sich selbst lachen können, aber das Publikum kann das an diesem Abend. Ja, Ostwestfalen sind schon ein besonderes Völkchen.
Die Texte aus der Sternkolummne beschäftigen sich derweil mit dem "Kevinismus" (das weibliche Pendant dazu ist "Chantalismus"), der derzeit in deutschen Familien herrscht und dem Trend, die eigenen Kinder mit fürchterlichen Namen zu quälen. Außerdem erzählte er uns noch von dem schwierigen Unterfangen, das perfekte Au Pair-Mädchen zu finden. Man kann es sich fast bildlich vorstellen, was Herr Weiler uns da erzählt.
Übrigens: er kann nicht nur austeilen, sondern auch über sich selbst lachen. Und dass er auch ernst sein kann, zeigt er in seinem letzten Text über "Fortschrittsbalken". Jene Balken, die einem den Fortschritt von Upload-Prozessen anzeigen. Und hat der Mensch wohl auch so einen Fortschrittsbalken irgendwo? Und die Erde? Vielleicht am Mittelpunkt irgendwo? Möchte man denn wirklich wissen, wie viel Zeit einem noch bleibt? Woh eher nicht. Eins steht fest: mit Jan Weiler uns seinen Geschichten ist die Zeit auf jeden Fall schöner und lustiger. |