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Konzerte
Nachgetreten:Paul Weller & Steve Cradock, Hamburg, Laeiszhalle, 19.9.2007 | Nachgetreten:Paul Weller & Steve Cradock, Hamburg, Laeiszhalle, 19.9.2007 |
| Geschrieben von Bernd | |
| Montag, 24. September 2007 | |
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Vielversprechend: Paul Weller lediglich begleitet von Dauerkomplize Steve Cradock in der extrem beeindruckenden, neobarocken Laeiszhalle. Unser Mann vorort: Martin Anders.
Ein akustisches Set aus verschiedenen Schaffensphasen war angekündigt, und jener gutbürgerliche, nicht mehr ganz junge Teil des Publikums, der lediglich sein Abo für das Kulturprogramm des altehrwürdigen Kultur-Tempels nutzen wollte, machten große Augen angesichts einer ganz bestimmten Klientel von Weller-Die-Hards: nämlich jener, die offenbar überglücklich war, die nicht immer schmeichelhaften Klischees zu bedienen, die britischen Mitbürgern im kontinentalen Europa anhaften. „Well, if Weller´s smokin...“- da wollte und konnte man sich nicht zurückhalten in einer Umgebung, in der üblicherweise weder Nikotin noch Getränke in der Halle gestattet sind. Abgesehen von der stets geräuschvollen Kulisse, die von den Modfather-Lookalikes ausging..sogar bei den leisesten Momenten dieses besonderen Events. Der Großteil des Programms bestand dementsprechend aus Solostücken Wellers, wobei der Schwerpunkt- ganz wie bei einem regulären Auftritt- auf dem letzten Album „As Is Now“ lag. Und das konsequenterweise, kommt das Werk doch einer Frischzellenkur des Endvierzigers gleich. Angefangen bei dem Opener „Savages“, wurden mit „Who Brings Joy“, „Oranges And Rosewater“, „Roll Along Summer“, „I Wanna Make It Alright“ und der letzten Zugabe „Come On Let´s Go“ zahlreiche der aktuellen Songs gespielt- getoppt von dem naturalistischen „Pan“, von welchem das Tasten-Doppel Weller/Cradock geradezu betörend in das anrührende, ebenfalls semi-religiöse „Wings Of Speed“ überleitete. Überhaupt ein passgenau funktionierendes Duo, die beiden, die sich sichtlich entspannt und sich auch selbst unterhaltend wunderbar die Bälle zu spielten. Ja, auch die Alben „Wild Wood“ und „Stanley Road“, also die Klassiker unter Wellers Solo-Arbeiten, wurden ausreichend gewürdigt- nicht nur durch die seelenvollen Tränenzieher „You Do Something To Me“ und „Time Passes“, sondern auch nicht zuletzt mit dem minutenlangen Gitarrenduell des letzten Prä-Zugaben-Stücks „Shadow Of A Sun“- sapperlot, psychedelische Akustik-Stücke sind möglich! Auch Cradock erhielt die Gelegenheit einer Solo-Darbietung.
Während Wellers kurzem Backstage-Ausflug konnte man sich davon überzeugen, dass der Polizistensohn aus Birmingham nicht nur unbestrittenerweise einer der besten Gitarristen Großbritanniens ist, sondern an ihm eigentlich ebenfalls ein Solo-Künstler verloren gegangen ist. Zumindest gemessen an seiner recht unverwechselbaren, rauchigen und gar nicht mal wenig an Weller erinnernden Stimme. Derweil beobachtete Letzterer am Bühnenrand hockend seinen Mitstreiter äußerst wohlwollend, intensiv mitgroovend und- selbstverständlich- rauchend.. Die heiligen Hallen werden bestimmt jetzt noch durchgelüftet.. Der zweigeteilte Zugabenteil konnte noch mit der Elvis-, Everly Brothers-, Dylan-, etc.etc.-Coverversion „Let It Be Me“ überraschen- vormals vom Mann aus Woking nur durch die B-Seite von „Wishing On A Star“ bekannt. Und auch hier hauchte der an diesem Abend in schlichtes Schwarz gewandete Weller einem tausendmal gehörten Standard regelrecht Seele ein und machte das Stück zu einem Weller-Song, welcher sich nahtlos in den Katalog seiner eigenen Stücke einfügte. Paul Wellers besondere Qualität- neben seinem faktischen Status als einem der größten britischen Liedschreiber aller Zeiten - liegt unbestritten in der (Klischee hin oder her) Leidenschaft, mit der er sich in seine Musik hineinbegibt- und das bei jedem Auftritt. Vehementer Verfechter der Philosophie und Unübertreffbarkeit der „Live Performance“, wirkt dieser Mann auch mit 49 Jahren noch derart authentisch und hingebungsvoll, dass man keinerlei Probleme hat, ihn sich auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch als „elder statesman“ des Britrock vorzustellen. Und, zum Glück, ein Rückzug Wellers ist auch keinesfalls zu erwarten- stellte er doch erst kürzlich in seiner DJ-Stunde bei BBC Radio 1 fest, dass Sir Paul McCartney ihm auch in der Hinsicht Vorbild sei, wie man auch mit Mitte 60 noch inspirierend klingen und gleichsam auch live glaubwürdig auftreten könnte. Dass der mit Kamerateam aufgefahrene NDR im Morgen-Magazin anderntags beklagte, dass aufgrund der „zu ruhigen“ Songs keine so rechte Stimmung aufgekommen sei, unterstreicht die manchmal ahnungslose, aber dabei immer selbstsichere Haltung öffentlich-rechtlicher Medien im Hinblick auf popkulturelle Veranstaltungen- was hatte man denn erwartet? Mitklatsch- und Schunkel-Orgien wie bei Pur oder Westernhagen? Feuerzeuge in der Luft? Richtig ist: Die zum Teil glutrot beleuchtete Bühne der Laeiszhalle bot an diesem Abend den perfekten Rahmen für den Auftritt eines Mannes, der ohne viele Worte zu verlieren die Verkörperung von Authentizität, Kredibilität, höchstklassigem Songwriting darstellt und der, zuvorderst, unglatten weißen SOUL liefert. Standing Ovations und insgesamt sechs Zugaben machten deutlich, dass Weller es sehr wohl schaffte, der über 80 Jahre alten, bestuhlten Umgebung – ob Akustik-Gig oder nicht- so etwas wie Rock´n`Roll-Flair zu verleihen. Das Ambiente veredelte Weller, Weller erdete die Örtlichkeit. Beseelt, unter die Haut gehend und musikalisch kompetent- ein erneuter Mitschnitt des akustischen Weller wäre vor diesem Hintergrund als Zugabe sicherlich nicht schlecht. So denn: „Paul Weller As Is Now“: hardly been better. Man darf gespannt sein auf das neue Album, welches im Oktober in Arbeit gehen wird- und hey, gebt Ocean Colour Scene noch eine Chance- “On The Leyline” ist empfehlenswert!
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