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Konzerte
Nachgetreten: Art Brut @ Ringlokschuppen, Bielefeld, 02.10.2007 | Nachgetreten: Art Brut @ Ringlokschuppen, Bielefeld, 02.10.2007 |
| Freitag, 5. Oktober 2007 | |
![]() Dienstag, der 2. Oktober 2007. Mittwoch ist Feiertag. Beste Voraussetzungen für einen gelungen Abend. Punkrock ist nicht tot! Umso verwunderter betritt man gegen 19.45 Uhr den Ringlokschuppen und sieht... oder besser gesagt, man sieht nicht allzu viel. Bis zu diesem Zeitpunkt verirrten sich etwa 25 Leute im kleinen Saal. Knapp 5 Minuten später betreten "Frame of Mind" aus Detmold die Bühne und begrüßen das überschaubare Publikum mit "Herzlich Willkommen im Ringlokschuppen!" ![]() Detmold's Finest: Frame Of Mind Nichtsdestotrotz liefern die 5 Jungs einen durchaus beachtlichen Auftritt ab. Alles ist ziemlich stimmig. Ihre Musik durchzieht sämtliche Nuancen der britischen Sixties und Indiepop-Musik, bis hin zu klaren Einflüssen aus den 90ern. Um es auf den Punkt zu bringen: Oasis & Konsorten scheinen ihnen nicht ganz unbekannt zu sein. Die Garderobe passt ebenfalls, und man fühlt sich unweigerlich an das Rifles-Konzert vom Februar erinnert. Eddie Argos steht wippend am Bühnenrand, als die Lipper brav ihr Art-Brut-Cover "Bang bang Rock’n’ Roll" zum besten geben. OWL rockt eben doch! ![]() "Waiting For Pete Doherty To Die" wurde leider nicht gespielt Umbaupause und Wechsel zur britischen Fraktion. Langsam aber sicher füllt sich der Saal und auch auf der Bühne tut sich was. Simon Indelicate, Julia Indelicate, Ed van Beinum, Kate Newberry und Al Clayton aka The Indelicates beginnen ihr Set vor dem erwartungsvollen Bielefelder Publikum. Bereits im vorhinein mit allerlei Lob bedacht, legen die Briten los und erstaunen doch mit einem etwas holprigen Start. Allerdings überspielen sie die offensichtlichen Patzer charmant und spätestens bei dem wunderbaren Song "Heroin" haben sie das ostwestfälische Herz erobert. Für einen Song bekommen die 5 Damen und Herren Unterstützung von Mr. Argos. Etwas textunsicher, trotzdem eine schöne Einlage. Im Publikum werden unweigerlich Vergleiche mit Belle & Sebastian oder den Magic Numbers gezogen. Auch Morrissey’s Einfluss lässt sich wohl nicht ganz leugnen ("The last significant statement to be made in Rock’n’Roll" - solche Titel fabriziert sonst nur der Meister selbst). Wunderbar auch Julia Indelicate, sitzend am Piano, deren wirklich schöne Stimme in den vielen ruhigen Moment erst richtig zur Geltung kommt. Wenn’s lauter wird, tut es allerdings auch ein bisschen Weh im Gehörgang. Als Shouterin ist sie leider nicht besonders geeignet. ![]() Zeit für Art Brut. Glücklicherweise ist es nun zumindest in Bühnennähe einigermaßen voll geworden. Das Konzert beginnt ohne großes Tam-Tam. Warum auch? Schließlich hat man Eddie Argos. Der Mann fühlt sich sichtlich wohl auf der Bühne. Das ist Show genug. Erste Überraschung: Drummer Mikey Breyer zieht es vor, sein Instrument im stehen zu bearbeiten. Sowas kennt man ja sonst nur von Bela B. oder den lokalen Punkhelden ZZZ Hacker. Mr. Argos lässt keine Möglichkeit aus, das Publikum mit einzubeziehen, und ist sich auch nicht zu schade, von der Bühne zu steigen, um dem hüpfenden Mob quer durch den ganzen Saal ein wenig Gesellschaft zu leisten. Das würde Gitarrist Ian Catskilkin wohl auch gerne. Jedenfalls steht er häufig genug gefährlich nahe am Bühnenrand und erfreut das weiblich Publikum mit wirren Blicken. Sowas nennt man dann wohl womanizing. Den Damen scheint’s jedenfalls zu gefallen. ![]() Does Anyone Know A Decent Bar Here? Überhaupt legt die gesamte Band eine große Spielfreude an den Tag. Langeweile kommt selten auf, schon gar nicht bei alten Smashern wie "Emily Kane" oder "My little brother", aber auch bei neueren Tracks wie "Direct hit", "St. Pauli" (mit der deutschen Textzeile "Punkrock ist nicht tot") oder auch "Pump up the volume" zeigen sich die Bielefelder erstaunlich textsicher. Wer gerade mal nicht weiß, welcher Song läuft, muss lediglich einen Blick auf die große Projektion an der linken Wand werfen. Moderne Technik macht’s möglich. Gerne wird dort aber auch das Publikum zu "Applause" oder "Clap your hands" aufgefordert. Endlich wissen wir, wie es bei einer Talkshow sein muss. Danke! Das was Eddie Argos dort macht, ist auch durchaus mit einer Talkshow zu vergleichen. Sehr einseitig zwar, aber der Mann ist nunmal ein Storyteller vor dem Herrn. Ständig in Bewegung, unterstützt er seine Darbietung mit allerei Gesten. Es fällt schwer, da nicht fasziniert zuzuschauen. Weniger fasziniert ist man allerdings, als es ihm kurz warm wird, und der gute Mann seinen Astralkörper präsentiert. Kurz vor 23 Uhr müssen die Art Bruts nun auch leider nach nur einem Zugabe-Set die Bühne verlassen. Man wird das Gefühl nicht los, dass sie gerne noch etwas länger gespielt hätten. Kaum sind die Gitarren verklungen, kommen auch schon die Leute mit den Besen, um für das Diskoprogramm klar Schiff zu machen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass hier wohl nichts mehr geht. Fazit: ein rundherum gelungener Abend mit drei Bands, die das Publikum hervorragend unterhalten haben. ![]() |
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