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Nachgetreten: Moneybrother , Hamburg, Grünspan, 4.10.2007
Geschrieben von Bernd   
Montag, 8. Oktober 2007

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“Before you go to bed, your last thought should be: Tonight, you´ve made a rock´n´roll band very happy.” Heiliger Strohsack, was für ein charmantes Kerlchen, der Herr Wendin- und ganz genauso sahen es wohl auch die sich exorbitant in der Überzahl befindlichen Damen in den vorderen Regionen des Grünspan-Auditoriums.

Sturm und Drang auf dem Mount Pleasure

Gegenseitiges Sich-glücklich-machen war ganz groß angesagt an diesem Abend, denn Enthusiasmus auf und vor der Bühne war ganz überwiegend die vorherrschende Gefühlslage. Die Schweden präsentierten sich wie ein szene-kredibles, turbogesteuertes Update von Bruce Springsteen´s legendärer 70er-Jahre E-Street-Band, getragen von einer stimmlichen Kreuzung aus dem jungen Joe Strummer und dem älteren Paul Weller.

Es entwickelte unter diesen Voraussetzungen eine erfolgreiche Mission, Hamburgs Indie-Mob mal zu zeigen, woher der ganze coole Kladderadatsch von heute eigentlich kommt. Denn ganz, ganz viel Musikhistorie steckt in den meist stürmischen, teils schwelgerischen, immer gefühlsopulenten Moneybrother-Stücken.

Die Gelegenheit des temporeichen aktuellen Langspielers „Mount Pleasure“ nutzend, stürmten und drängten Moneybrother ohne Umschweife so nach vorne, dass man gar nicht anders konnte, als vor so viel Chuzpe und Offensivgeist zu kapitulieren.

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Wir erlebten nicht nur stimmlich große Gesten eines Soul-Money-Brothers aus Ludvika, der tatsächlich mit einem Millionen-Dollar-Live-Organ gesegnet ist, dargeboten vor einer Kulisse aus auf Glanz polierten, altehrwürdigen Schmuckstücken der Kollektionen Costello, Springsteen, Van Morrison und Curtis Mayfield, aufgeladen durch jede Menge punkige Energie einer wahrlich alerten Band.

Unübersehbar, wie unfassbar eingespielt und treffsicher die millimetergenau austrainierte Musikantengruppe am letzten Abend ihrer Deutschland-Tour agierte. Kein statisches Gepose, keine gelangweilte Profi-Routine, sondern kanalisierte Gruppen-Euphorie. Was für ein Zusammenspiel, Menschenskinder! Und zwar im wirklichen Wortsinn.

In vorderster Front und unstrittig zweiter Hauptdarsteller dabei Saxophonist und Hut-Träger Gustav Bendt, eine posende, elektrisierte Rampensau vor dem Herrn. Ob von den Akteuren gewollt oder nicht: bei dem Zusammenspiel zwischen Wendin und Bendt, die sich auf der Bühne humorig die Bälle, also in diesem Fall Noten, Gesten, Blicke und Sprüche zuspielten, musste der Betrachter einfach zwingend an den „Boss“ und seinen Blutsbruder Clarence Clemons denken.. Ein würdiges Nachfolge-Duo. Ein cooles Saxophon, hastenichtgesehen!

Die Single „Just Another Summer“, Wendins persönliche „Summer Of ´69“-Botschaft, gelang auf diese Weise so ungefähr zu „Born To Run“, Blut schwitzend vorgetragen von The Clash. Auf Speed.
Auch der populäre Soul-Schlager „They´re Building Walls Around Us“ wurde mitnichten bis zur letzten Zugabe zurückgehalten, sondern setzte sich im Mittelfeld des Sets gleichsam fulminant wie elegant in Szene. In der Tat, so hoch war die Dichte an Energieriegeln, die uns Moneybrother in die Menge warfen.

Doch auch die meterhoch orchestrierten, balladesken Seelenwühler des vorletzten Albums „To Die Alone“ wurden angemessen schmachtend und gefühlsecht zelebriert. „It´s Been Hurting With You All The Way, Joanna“: mehr können Songtitel nicht vorab über ihren Form und Inhalt verraten.
Also, Endorphine allerorten! Anders Wendin freute sich an diesem Abend, Hamburg mit seinem nostalgischen Power-Soul-Rock zu beglücken, und die Hansestadt zahlte ihm reichlich zurück.

Moneybrother: Mädchen-Musik? Vielleicht. Aber dann kann man mit seinen Geschlechtsgenossen tatsächlich nur Mitleid empfinden. Wer sich vom Über-Stück „Blow Him Back Into My Arms“ nicht die Augen befeuchten lässt, ist vor allen Dingen eins: mausetot.

Martin Anders

 

 

 
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