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Konzerte
2007
Client, Knust, Hamburg, 7.11.2007 | Client, Knust, Hamburg, 7.11.2007 |
| Geschrieben von Bernd | |
| Samstag, 10. November 2007 | |
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Client+Special Guest Charlotte Hatherley,Marsheaux,The Dance Inc. touren gemeinsam durch Deutschland. Vom Hamburger Gig berichtet: Martin Anders. Girlgroup mal andersKurz, ganz kurz blitzte es auf: Aus Client-Sängerin Sarah Blackwoods Gesicht sprach geradezu kindliche Freude. Die Gefolgschaft von Client im Hamburger Knust entsprach in jenem Moment den Wünschen ihrer Animateurin nur zu gerne. Man klatschte, geradezu Rock-Event-mäßig, hingebungsvoll analog zum Maschinen-Beat. Ganz die im Song zitierte, eingeforderte „Rock´n´Roll Machine“!
Dabei passt soviel ursprüngliche, mädchenhafte Freude eigentlich so gar nicht zum Habitus des weiblichen Elektro-Trios. Eine kühle, zurückgenommene, fast strenge Ästhetik zieht sich durch Musik, Kleidung und Stilistik der Britinnen, die dem relativ zahlreich erschienenen, im Schnitt nicht mehr ganz blutjungen Publikum vorführten, was man mit Früh-Achtziger-Wave-Vorlieben heute so alles anstellen kann.
Nachdem die stilistisch fast identischen Marsheaux, ebenfalls weiblich geprägt, und der Hochbegabten-Nachwuchs der Hamburger Tanzflur-Melancholiker The Dance Inc. den Abend stimmig eingeläutet hatten, gaben sich die drei Damen also die Ehre.
Und, Ehre wem hier tatsächlich Ehre gebührt, ein Extra-Abschnitt dieses Erlebnisberichts muss zunächst der sich unvergleichlich in ihre Bass-Performance hineingebenden Charlotte Hatherley gewidmet werden. Die ehemalige Gitarristin der Ex-Britrock-Superhelden Ash konterkarierte die distinguierte und damenhafte Performance ihrer wie ältere Schwestern wirkenden Kolleginnen- und zwar mit einem souveränen, aber immer furiosen Rock-Gestus, der diverse Münder offen stehen ließ. Rocken und trotzdem vor Coolheit nur so strotzen- das beherrscht keine Dame des Business besser als Miss Hatherley- förlat, Fru Persson! Charlotte Hatherley, die kürzlich mit ihrem Soloalbum reüssiert hatte, war kurzfristig als drittes Mitglied bei der Client-Tour eingesprungen. Ob ihrer Prominenz auf den Tourplakaten gesondert als Special Guest angekündigt, fügte sie der Gesamtpräsenz der Band die entscheidende Prise Feuer hinzu. Ein außerordentliches Schauspiel- und das als Bassistin!
Nun denn, Scheinwerfer auf die ganze Mannschaft. Wie sind Client? In etwa so: Man stelle sich vor, man hätte die 80s-Charts-Dauerbewohner von Bananarama ein halbes Jahr lang eingesperrt, sie ausschließlich mit New Order, Visage, Kraftwerk und DAF gefüttert und dann wieder auf die Menschheit losgelassen. Girlgroup mal anders! Und diese Vorstellung ist hier ausschließlich positiv gemeint. Eine süße Prise Pop durchzieht nämlich ab und an die düstere Geradlinigkeit der stets uniform gekleideten Damen. Da sind sie wieder, die zwei Seiten der Band, Strenge und Natürlichkeit. Pop noir, mal wieder!
Textlich pendelt sich dabei vieles mal mehr, mal weniger subtil auf einem Territorium zwischen Asphaltromantik, angedeuteten Bereichen unterhalb der Gürtellinie und den Ausschweifungen bzw. Mangelerscheinungen des Nachtlebens ein. Vielleicht hatte sich die ehemalige Dubstar-Sängerin Blackwood einfach ein paar mal zu oft vorhalten lassen müssen, dass die Musik ihrer damaligen Band die Gefahr eines Zuckerschocks in sich trüge- sodass das nachfolgende Karrierevehikel Client die eher dunklen Facetten des Daseins nun um so mehr integriert. Dass letztere einst auf dem „Toast-Hawaii“-Label des durch Depeche Mode bekannten Andrew Fletcher debütiert hatten, passt ins Bild.
Nebenbei bemerkt: Wir es hier eben nicht mit ausschließlich rückwärtsgewandter Musik zu tun. Dies belegt die Tatsache, dass es sich gleich beide ehemalige Libertines-Protagonisten, also die Herren Barat und Doherty höchstselbst, nicht nehmen ließen, als Songwriter bzw. Vokalisten in jüngerer Vergangenheit jeweils einzeln mit Client zu kollaborieren.
Client in Hamburg: Dieser Auftritt zeigte zuvorderst eins: Elektro-Pop kann, aufgepasst, liebe Profi-Schwarzkittel, S-P-A-S-S machen! Und lüftet dabei auch noch so schön die Seele durch. Aus einer ganz anderen Ecke des Musik-Kosmos zwitscherten einst The Mamas and The Papas „Glad To Be Unhappy“- und kein Songtitel dieser Welt passte an diesem Abend besser zur Client-Show als jener. ![]() Am Bass (sozusagen Client C) La Hatherley Einfach herrlich: Ohne gothic-artige, pechschwarz auftoupierte Vogelnestfrisuren, Graf-Dracula-Kindereien und peinliches Mittelalter-Pathos beschert diese Musik ein genuines Pop-Erlebnis erster, ähem, Kajüte. Denn wahrlich bezaubernde, künstliche Klänge prasselten da non-stop von der Bühne herab. Man muss das schon mal festhalten: Das Potenzial für Hits des Jahres 1981 und, wenn man es eingedenk Editors & Co. genau betrachtet, auch des Jahres 2007, hätten sicher zahlreiche der an diesem Abend genossenen Darbietungen- etwa die diversen gefühlten wie tatsächlichen Singles wie „Drive“, „Lights Go Out“, „It..s Not Over“ oder das wunderbar gefühlsschwere „Heartland“.
Ein Bass, eine geschulte Frontfrau und ein paar Kästen mit Tasten und Knöpfen- bedient von „Client A“ Kate Holmes- reichten, um dem Band-Motto „Satisfaction Guaranteed“ gerecht zu werden. Wenn der Mini-Maschinenpark mal so richtig losbollerte und die blonde Blackwood dazu angenehm unterkühlt Obsessionen, nächtliche Autofahrten, aber auch Isolation und das Ringen um Emotionen besang, wurde selbst dem partygestähltesten Oasis-Ultra erfrischend fröstelig ums Herz. Und das Rest-Publikum, offenkundig von so viel reizender Unterkühltheit enthusiasmiert, forderte Nachschub – sogar mehr Nachschub, als das in einheitlichen, schnieken schwarzen Kleidern auftretende Trio in Form der Zugaben-Audienz dann letztlich gewährte.
Die andere Seite der drei Ladies, nämlich die der bodenständigen britischen „girls next door“, offenbarte sich den Hamburgern dann wiederum nach dem Gig an der Merchandise-Theke. Entzückt ließ sich die überwiegend männliche Kundschaft ebendort ihre Devotionalien und Tonträger vom Hauptact selbst über die Theke reichen und signieren. Und da war es wieder, das strahlende Kleinmädchen-Lächeln der Sarah Blackwood- so ganz anders als die distanzierte Attitüde der Bühnendiva „Client B“. Und nach getaner Arbeit nahm sich bei einem Glas Wein sogar Miss Hatherley eine Auszeit vom Dasein als ultimative Coolness-Ikone. Leute, there´s no business like showbusiness- but I like it!
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